IRP: Prof. Freund, für welche Grundlagen- arbeiten haben Sie diesen Preis erhalten?
Mit Eric Rouiller und Martin Schwab forschte ich zuerst über Anti-Nogo-A und wir konnten im Affenmodell zeigen, dass die Nerven wieder wachsen können. Danach forschte ich am Queen Square in London im Bereich der Neurobildgebung. Die dort identifizierten MRI Biomarker konnte ich dann in einer Lang- zeitstudie in Zürich anwenden, bei der wir die neurodegenerativen Veränderungen im Rückenmark und Gehirn bildgebend untersuchen.

Welches Prinzip liegt dem zugrunde?
Unsere Arbeiten haben gezeigt, dass sich das Nervengewebe im Rückenmark unter sowie oberhalb der Querschnittsläsion und auch in den betroffenen Hirnregionen zurückbilden. Ferner wissen wir dank unserer Forschung heute, dass die neurodegenerativen mikrostrukturellen Veränderungen über Jahre nach eingetretenem Trauma fortschreiten.

Welchen Nutzen haben diese Biomarker also?
Ziel ist es, mit MRI-Sequenzen die Veränderungen zu dokumentieren und durch den Vergleich der MRI-Sequenzen vorauszusagen, wie schnell eine Degeneration voranschreitet. So können wir das individuelle Erholungspotential von Patientinnen und Patienten mit Rückenmarksverletzung früh und präzise vorhersagen, denn dieses korreliert direkt mit dem Ausmass dieser neurodegenerativen Veränderungen zu Beginn. Je geringer die Neurodegeneration anfangs ist, desto grösser ist das klinische Erholungspotential. Mit dem Verfahren können wir auch den Effekt eines Antikörpers gegen das wachstumshemmende Nogo-A-Protein nach akuter Rückenmarksverletzung prüfen.

Sie sind Biologe und Arzt, woher kommt Ihr Interesse für die Paraplegiologie?
Es war ein glücklicher Zufall, dass ich als Biologe bei Eric Rouiller und Martin Schwab im Fachgebiet der Paraplegiologie forschen konnte. Und doch bin ich bereits mit dem Thema aufgewachsen, denn ich hatte einen Onkel, der nach einem Unfall querschnittgelähmt war. Als Kind kniff ich ihn immer ins Bein und konnte es nicht glauben, dass er nichts spürte. Noch heute beeindruckt mich der Kontakt mit den paraplegischen Patientinnen und Patienten. Insbesondere schätze ich ihre altruistische Unterstützung bei unseren Forschungsprojekten, die ja eigentlich erst den nachfolgenden Patienten nutzen werden.

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